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Ein Blick hinter die Kulissen: f3 im Gespräch mit EIT Food

21 January 2021 Central, Germany, Press Das Logo von EIT Food begegnet Agrifood-Start-ups derzeit an vielen Stellen. Doch wie genau arbeitet dieses „Pan-europäische Netzwerk“ eigentlich? Wie können Gründerteams profitieren? f3 hat Antworten bei Geschäftsführer Georg Schirrmacher eingeholt.

Ein Blick hinter die Kulissen: f3 im Gespräch mit EIT Food

f3 – farm. food. future: Herr Schirrmacher, wer oder was ist EIT Food?

Georg Schirrmacher: Wir glauben, dass wir eine wichtige Rolle als Katalysator spielen. Und dass EIT Food eine Organisation ist, die alle Interessengruppen miteinander verbindet. Das ist für einen radikalen Wandel absolut notwendig. Noch immer landen rund 30 Prozent unserer Lebensmittel einfach im Müll. Lieferketten und Transportwege sind nicht transparent. Der Verbraucher hat kein Vertrauen in die Lebensmittelproduktion. Wir wollen in Zukunft sicherstellen, dass die Öffentlichkeit eine zentrale Rolle bei der Mitgestaltung des Veränderungsprozesses spielt.

Dazu haben wir bis jetzt rund 120 Start-ups unterstützt, über 16.000 Studierende mitausgebildet, an vielen Orten Experten, Landwirte, Gründer, Industrie und Wissenschaftler vernetzt. Wir sind europäisch ausgerichtet und agieren dennoch in unseren Regionen mit den nationalen Partnern – wie in Deutschland etwa mit John Deere, KWS Saat, Bayer. Landesanstalt für Landwirtschaft, Siemens, Universität Hohenheim oder der TU München – äußerst eng zusammen.

Wir sind europäisch ausgerichtet und agieren dennoch in unseren Regionen mit den nationalen Partnern.

Unsere Mitarbeiter sitzen neben dem EIT Food-Hauptquartier in Leuven bei Brüssel in sogenannten Co-Location-Centres (CLC) in England, Spanien, Polen und Belgien und hier in Deutschland. Das CLC Central in Freising ist für Deutschland, Österreich und die Niederlande als zentraler Innovationsknoten zuständig. Europaweit arbeiten rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für EIT Food. Unser Partner-Netzwerk umfasst über 220 Universitäten, Firmen und Bildungseinrichtungen.

Beispiele von geförderten Start-ups, die es an den Markt geschafft haben

f3: Als übergeordnetes Ziel will EIT Food dafür sorgen, dass wissenschaftliche Innovationen bei den Konsumenten ankommen. Welches Beispiel aus Deutschland verdeutlicht diesen Anspruch und zeigt, mit welchen Akteuren und Zielen EIT Food agiert?

Georg Schirrmacher: Unsere Unterstützung der Start-ups erzeugt schon innovative Ansätze, die man auch im Supermarkt findet: die „Retter-Kräcker“ von „Zero Bullshit“ zum Beispiel gibt es bald bei Rewe. Drei Lebensmitteltechnologie-Studenten der Uni Hohenheim haben es sich zur Aufgabe gemacht, aus Lebensmittelresten ihre Produkte herzustellen und der Idee einer Kreislaufwirtschaft nahe zu kommen.

Bei Aldi Süd gibt es seit vergangenem Jahr ein Produkt, das von EIT ausgezeichnet wurde: „Air up“ aus München. Es vermeidet zuckerhaltige Trinkgewohnheiten, indem man einfach reines Wasser trinkt, das im Flaschenhals durch einen Duftschwamm fließt und so unserem Gehirn je nach Geschmacksrichtung eine Saft-Schorle „vorgaukelt“.

Ein Beispiel für eine hoch-disruptive Innovation ist die pflanzliche Milch „Plain“ aus dem Wissenschaftszentrum Weihenstephan. Die beiden Gründer Mischa Sysoev und Jonathan Herrmann haben eine wirklich nach vollwertiger Milch schmeckende pflanzliche Alternative zum Patent angemeldet und produzieren nun fleißig. Ich schwöre Ihnen, Sie werden nicht mehr herausschmecken, ob Sie Kuhmilch oder die pflanzliche Alternative im Cappuccino haben!

Oder nehmen wir ein Beispiel aus der Futtermittelproduktion: Dast Start-up "FarmInsect" aus Bayern möchte neue Wege gehen und die Abhängigkeit der Landwirte zu den Futtermittelproduzenten verringern, aber auch die lokale und nachhaltige Futtermittel-Produktion in Gang bekommen. Es setzt auf automatisierte Lösungen für die regionale Insektenzucht beim Landwirt als Tierfutter für Hühner, Schweine und Fische. EIT Food had "FarmInsect" die ja aus dem bayerischen Dachau kommen, in seine Programme aufgenommen. Übrigens: in Bayern gibt es schon einen offenen Online-Stammtisch meiner Kollegin Mira Schütze für das bayerische Start-up-Ökosystem.

Innovationsprogramme von EIT Food inklusive Förderung

f3: Welche Probleme des bestehenden Agrifood-Systems sollen die Innovationen lösen? 

Georg Schirrmacher: Weltweit stehen wir ja vor riesigen Aufgaben: im Jahr 2050 müssen wir 10 Milliarden Menschen nachhaltig, ausreichend, gesund und sicher ernähren. Das wird nicht nur mit den bisherigen Methoden und unserer gewohnten Ernährungsweise funktionieren. Wir brauchen dringend disruptive Innovationen in der Lebensmittelproduktion und wir laden jeden ein, mit uns an einer nachhaltigen Zukunft zu arbeiten. 

Wir sind so etwas wie die Schweiz. Wir sind neutral und weder abhängig von der Agrar Industrie noch von Interessen der Retailer oder gar von Interessensverbänden.

Europaweit haben wir mit einem COVID 19-Call Zeichen gesetzt: EIT Food hat 10,25 Millionen Euro bereitgestellt, um Finanzierungsmöglichkeiten für Innovationen im Agrifood Sektor anzubieten. Damit werden Start-ups und Scaleups mit hohem Wirkungs- und Wachstumspotenzial direkt von uns unterstützt. 

f3: Wo und von wem sollen diese Innovationen entwickelt werden? Wer entscheidet, was gefördert und in die Praxis kommt, und was nicht? 

Georg Schirrmacher: EIT Food schreibt jährlich gezielte Programme aus fördert die erfolgreichen Projekte finanziell. Die Auswahl der Siegerprojekte findet unter Einbezug von externen, neutralen Gutachtern statt. Alle Programme von EIT Food folgen unseren strategischen Zielen. Das sind: Verbrauchervertrauen wiederherstellen, neue Wertschätzung für Lebensmittel schaffen, verzerrte Essgewohnheiten vermeiden, Konsumenten als zentrales Element der Wertschöpfungskette etablieren, Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion verbessern, Wissensvermittlung an Konsumenten und Berufserfahrene sowie Unternehmertum im Ag-Food Bereich fördern. Alle von uns geförderten Innovationsprojekte müssen sicher das Potenzial zeigen, ein Produkt in einem kurzen Zeitraum auf den Markt zu bringen. 

Aus unserer Sicht spielt disruptive Innovation in Veränderungsprozessen eine große Rolle. Nur wenn sich durch Innovation der Status quo ändert, haben wir eine Chance auf die angestrebte und dringend notwendige Transformation des Ag-Food Bereichs. Die meisten Disruptionen werden von neu gegründeten Unternehmen ausgelöst. Bisher scheiterten jedoch rund 90 Prozent der Start-ups im Lebensmittelbereich, vor allem wegen fehlender Nachfrage im Markt. EIT Food wird diesen Prozess zum Wohle der Verbraucher und der Gesellschaft massiv ändern. 

Selbst unabhängig sein und anderen einen neutralen Boden bieten

f3: Mit Blick auf Agrifood-Start-ups: Was fehlt dem deutschen Gründungsökosystem, was EIT Food ihm geben kann? 

Georg Schirrmacher: Wir sind so etwas wie die Schweiz. Wir sind neutral und weder abhängig von der Agrar-Industrie noch von Interessen der Retailer oder gar von Interessensverbänden. Wir sind politisch neutral, aber wir können jederzeit nachhaltige und erfolgversprechende Start-ups mit unseren Programmen (z.B. Seedbed, FAN oder Rising Food Stars) auf die europäische Bühne heben. Damit bringen wir diese Startups direkt mit den über 200 wichtigen EIT Food-Partnern auf neutralem Boden zusammen. Zusätzlich sorgen wir regional, z. B. in Bayern oder in Baden-Württemberg für Vernetzung zu unternehmerisch ausgerichteten Universitäten. Unser Ansatz kombiniert die Schaffung eines neuen Gründungs-Ökosystems in Deutschland zum Ideenaustausch mit dem Potenzial einer europäischen Skalierbarkeit. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Education Programmen auch direkt Verbraucher oder Landwirte erreichen, um dort ebenso für die Innovationen im Gründungsökosystem zu werben. Dies ist eine in Europa einzigartige Mischung. 

Nur wenn sich durch Innovation der Status quo ändert, haben wir eine Chance auf die angestrebte und dringend notwendige Transformation des Ag-Food Bereichs.

EIT Food und die Landwirtschaft 

f3: Bezieht EIT Food auch die Lebensmittelerzeuger, also die praktischen Landwirtinnen und Landwirte in seine Überlegungen mit ein? Oder agieren Sie eher auf wissenschaftlicher Ebene? 

Georg Schirrmacher: Wir beziehen selbstverständlich auch die Landwirtinnen und Landwirte direkt mit ein. Unser neues Team von ACTinEITFood spricht zum Beispiel gerade mit Landwirten und Landwirtinnen, ebenso mit den Experten in Landwirtschaftsministerien und freut sich über Input aus den ländlichen Regionen. Am 16. Februar veranstalten wir unseren ersten europäischen „Farmers Dialoque" der sich dem Thema nachhaltige Landwirtschaft widmet. In dieser virtuellen Veranstaltung wollen wir Landwirte und Landwirtschaftsorganisationen mit unseren Partnern zusammenbringen, um über die Bedürfnisse der europäischen Landwirte zu diskutieren und darüber, wie EIT Food sie beim Übergang zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft unterstützen kann. Diese Veranstaltung kann jeder online besuchen und sie wird von meiner Kollegin Dr. Kerstin Burseg organisiert. Und wir verstehen EIT Food - auch wenn der englische Name es etwas verkürzt - genauso wie wohl auch f3 sich sieht: als Treiber für Farm, Food und Future-Innovationen. 

f3: Wer kann und sollte sich mit EIT Food in Verbindung setzen? Wie erreicht man Sie? 

Georg Schirrmacher: Wir freuen uns über jeden, der bei unseren Innovations-, Start-up oder freien Bildungs-Programmen mitmachen will, mit uns konkret über Veranstaltungen sprechen möchte oder auch nur wissenschaftlich-basierte Informationen zum Thema Lebensmittel, Agrar und Ernährung sucht. Am einfachsten erreichen Sie mich über die EIT Food-Website, auf der auch alle deutschen Kolleginnen und Kollegen mit direkten Email Kontakten zu finden sind. 

ACTinEITFood - ein deutscher Ableger 

Eine Neugründung nur für den deutschen Sprachraum ist ACTinEITFood: in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde im vergangenen Jahr das Team für das dreijährige Projekt aufgebaut, das die bisherigen europäischen Forschungsergebnisse sowie die prämierten Ideen der internationalen Start-ups nach Deutschland übersetzen und transformieren soll. Es wird auch neue innovative Ideen im Food-Bereich und bei der Lebensmittelproduktion anschieben. Ebenso unterstützt das Projekt erfolgversprechende Gründerinnen und Gründer über das Thema Business Creation. Zusammen mit den großen Städten wie München, Berlin oder den großen Airports sollen neue „Marktplätze für Alle" initiiert werden, wo die Verbraucher zu Innovationen informiert und neue offene Kooperationen in der Landwirtschaft geschmiedet werden sollen. ACTinEITFood möchte alle relevanten Player - vom Bauernverband über die Ministerien bis zu lokalen Verbraucherinitiativen - vernetzen und in hybride Veranstaltungsformate einladen - Bis zum Frühling als online-Formate aber später ebenso mit Dialogforen vor Ort. 

Copyright 2021 Eva Piepenbrock: Original Artikel

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